Als ich Snapchat+ zum ersten Mal genauer ausprobiert habe, war mein erster Gedanke ziemlich unspektakulär: Vieles davon sieht nach kleinen Spielereien aus. Ein anderes App-Symbol, zusätzliche Farben im Chat, ein spezieller Hintergrund für das Profil – Dinge, die man nicht unbedingt braucht, um Snapchat zu benutzen. Erst nach einigen Tagen wurde deutlicher, wo der eigentliche Unterschied liegt: Snapchat+ verändert weniger die grundlegende Nutzung als vielmehr die Art, wie man Snapchat personalisiert und bestimmte Funktionen etwas genauer steuert.
Genau deshalb finde ich die Frage „Lohnt sich Snapchat+?“ interessanter als eine bloße Aufzählung aller Premium-Funktionen. Snapchat+ ist kein komplett anderes Snapchat und auch kein Abo, das plötzlich aus einem normalen Nutzer einen Power-User macht. Es ist eher eine zusätzliche Ebene für Menschen, die viel mit der App machen und bei bestimmten Details mehr Möglichkeiten haben möchten.
Snap selbst beschreibt Snapchat+ als Sammlung von exklusiven, experimentellen und vorab verfügbaren Funktionen. Die Auswahl hat sich seit dem Start 2022 deutlich vergrößert und umfasst inzwischen mehr als 40 Funktionen. Gleichzeitig werden neue Features laufend ergänzt oder zunächst nur für Abonnenten freigeschaltet. Deshalb kann sich die konkrete Ausstattung je nach Region, Gerät und Zeitpunkt unterscheiden.
Was man mit Snapchat+ tatsächlich zusätzlich bekommt
Die Premium-Funktionen lassen sich grob in drei Bereiche einteilen: Personalisierung, zusätzliche Informationen über Interaktionen und neue Möglichkeiten beim Erstellen und Versenden von Snaps. Gerade der erste Bereich ist auffällig groß.
Wer sein Snapchat gerne individuell einrichtet, kann unter anderem das App-Symbol verändern, eigene App-Themes verwenden und Chat-Farben anpassen. Dazu kommen individuelle Benachrichtigungs- und Klingeltöne, eigene Chat-Hintergründe sowie generative Hintergründe für Chats und Profile. Auch Bitmoji lässt sich stärker personalisieren, beispielsweise mit exklusiven Haustier- und Fahrzeugoptionen.
Das klingt auf einer Feature-Seite schnell nach einer langen Sammlung kleiner Extras. In der täglichen Nutzung merkt man aber, dass diese Funktionen zusammen durchaus einen Unterschied machen. Wenn Snapchat für jemanden praktisch ein Hauptkanal für private Kommunikation ist, fühlt sich ein individuell gestalteter Chat irgendwann weniger wie eine austauschbare App-Oberfläche an.
Besonders interessant finde ich dabei die Chat-Hintergründe. Sie sind kein Werkzeug, das plötzlich eine neue Aufgabe löst. Sie machen einen Chat lediglich persönlicher. Genau solche Funktionen sind typisch für Snapchat+: Der Mehrwert entsteht nicht unbedingt durch Produktivität, sondern durch die Möglichkeit, die App stärker an die eigene Nutzung anzupassen.
Mehr Kontrolle über Snaps und Stories
Deutlich praktischer werden die Premium-Funktionen dort, wo Snapchat+ zusätzliche Kontrolle über Inhalte gibt. Dazu gehören verschiedene Optionen für die Lebensdauer von Stories und Snaps. Mit bestimmten Funktionen können Abonnenten beispielsweise festlegen, wie lange eine Story sichtbar bleiben soll. Für jemanden, der häufig Inhalte veröffentlicht und nicht jedes Mal die Standarddauer verwenden möchte, ist das wesentlich interessanter als ein neues App-Icon.
Neuere Funktionen gehen noch einen Schritt weiter. Mit den sogenannten Snap Modes können bestimmte Snaps so verschickt werden, dass sie beispielsweise nur einmal angesehen werden können. Beim Modus „View It or Lose It“ lässt sich außerdem festlegen, wie lange der Empfänger Zeit hat, den Snap zu öffnen. Zur Auswahl stehen unter anderem 30 Sekunden, eine Minute, fünf, zehn oder 60 Minuten.
Hier würde ich allerdings nicht mit dem Gedanken an Datenschutz experimentieren. Ein Snap, der nicht gespeichert werden kann, ist nicht automatisch ein sicherer Snap. Screenshots, Aufnahmen mit einem anderen Gerät oder andere Wege, Inhalte festzuhalten, verschwinden durch eine Premium-Funktion nicht. Snapchat+ bietet zusätzliche Steuerungsmöglichkeiten, aber keine technische Garantie dafür, dass ein einmal verschicktes Bild niemals außerhalb des vorgesehenen Ablaufs landet.
Interessant für Menschen, die ihre Kontakte genauer beobachten
Ein anderer Schwerpunkt von Snapchat+ liegt bei den sozialen Funktionen. Dazu gehört beispielsweise die Möglichkeit, einen Freund als „#1 Best Friend“ hervorzuheben. Die erweiterte Best-Friends-Liste und die Anzeige bestimmter Freundschaftsbeziehungen machen Snapchat+ vor allem für Nutzer interessant, die sehr viel über Snapchat kommunizieren.
Auch die Funktion „Peek a Peek“ gehört in diese Kategorie. Sie kann anzeigen, wenn jemand einen Blick in einen Chat wirft. Dazu kommen Funktionen rund um Story-Aufrufe, darunter der Rewatch Indicator und Story View Notifications. Wer regelmäßig Stories veröffentlicht, bekommt dadurch mehr Informationen darüber, wie andere Nutzer mit den eigenen Inhalten interagieren.
Das ist ein Punkt, bei dem ich zwischen Neugier und echtem Nutzen unterscheiden würde. Am Anfang ist es durchaus spannend zu sehen, wer eine Story erneut angesehen hat oder wann bestimmte Interaktionen stattfinden. Nach einiger Zeit kann daraus aber auch einfach eine zusätzliche Statistik werden, auf die man ständig schaut, obwohl sie am eigentlichen Nutzerlebnis wenig verändert.
| Bereich | Beispiele bei Snapchat+ | Für wen besonders interessant? |
|---|---|---|
| Personalisierung | App-Symbol, Themes, Chat-Farben, Hintergründe, Bitmoji-Extras | Für Nutzer, die Snapchat individuell gestalten möchten |
| Snaps & Chats | Snap Modes, Replay Again, eigene Ablaufzeiten | Für Nutzer, die häufig Snaps verschicken und mehr Kontrolle möchten |
| Freunde | #1 Best Friend, erweiterte Best-Friends-Funktionen, Solar System | Für sehr aktive private Snapchat-Nutzer |
| Stories | Story Boost, Rewatch Indicator, Zeitstempel, Benachrichtigungen | Für Nutzer, die regelmäßig Stories veröffentlichen |
| AI & kreative Funktionen | AI Captions, AI Creative Tools, generative Hintergründe | Für Nutzer, die gerne neue kreative Funktionen ausprobieren |
| Lens+ | Exklusive Lenses und zusätzliche KI-Funktionen | Für AR- und Lens-Fans |
Der Solar-System-Effekt ist mehr als nur ein hübsches Symbol
Eine der bekannteren Snapchat+-Funktionen ist das sogenannte Friend Solar System. Dabei wird die Position eines Freundes im eigenen sozialen Umfeld über ein Planetensystem dargestellt. Das Konzept ist bewusst spielerisch: Je näher ein Freund im System steht, desto enger ist die entsprechende Freundschaftsposition innerhalb der Snapchat-Logik.
Für neue Nutzer wirkt das zunächst etwas kompliziert. Nach kurzer Zeit versteht man aber das Prinzip. Snapchat macht damit aus einer ohnehin vorhandenen Information eine visuelle Darstellung. Das passt ziemlich gut zur Philosophie der Plattform: Beziehungen und Aktivität werden nicht nur funktional angezeigt, sondern in kleine visuelle Elemente übersetzt.
Ähnlich funktioniert der Snapchat+-Badge. Er zeigt anderen Nutzern, dass man Snapchat+ abonniert hat. Das ist keine wichtige Zusatzfunktion und sicher kein Grund, allein dafür Geld auszugeben. Es ist eher ein sichtbares Detail für Menschen, denen solche Statusmerkmale innerhalb der App gefallen.
Story Boost und Snapscore: Hier sollte man genauer hinsehen
Snapchat+ enthält auch Funktionen, die stärker auf Reichweite und Aktivität abzielen. Mit Story Boost kann eine eigene Story für einen begrenzten Zeitraum stärker hervorgehoben werden. Wer Snapchat hauptsächlich nutzt, um Freunden und nicht einer großen Öffentlichkeit Inhalte zu zeigen, wird davon wahrscheinlich weniger haben.
Ähnlich verhält es sich mit dem Snapscore Multiplier. Die Funktion kann den Aufbau des Snapscore beschleunigen, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Das ist technisch interessant, aber der praktische Nutzen hängt vollständig davon ab, ob einem der Snapscore überhaupt etwas bedeutet.
Das ist für mich eine der wichtigsten Unterscheidungen bei Snapchat+: Eine Funktion kann exklusiv sein, ohne deshalb automatisch nützlich zu sein. Gerade bei Status- und Statistikfunktionen sollte man sich fragen, ob sie das eigene Verhalten tatsächlich verbessern oder nur eine weitere Zahl liefern, die man regelmäßig kontrolliert.
AI-Funktionen und Lens+: für Kreative deutlich spannender
Der Bereich künstliche Intelligenz ist inzwischen ein größerer Bestandteil von Snapchat+. Dazu gehören unter anderem AI Captions, kreative KI-Werkzeuge sowie generative Profil- und Chat-Hintergründe. Damit verschiebt sich das Abo ein Stück weit von reiner Personalisierung in Richtung Content-Erstellung.
Noch interessanter wird es mit Lens+. Snapchat bietet darüber zusätzliche Lenses und AR-Erlebnisse an, darunter auch KI-basierte Lenses. Laut Snapchat kommen neue AR-Erlebnisse regelmäßig hinzu. Für jemanden, der Snapchat vor allem wegen Filtern, Lenses und visuellen Effekten verwendet, ist dieser Teil des Angebots deshalb wesentlich relevanter als für jemanden, der hauptsächlich Nachrichten schreibt.
Allerdings sollte man auch hier mit einer festen Feature-Liste vorsichtig sein. Snapchat verändert sein Angebot regelmäßig. Manche Funktionen werden zunächst getestet, regional ausgerollt oder stehen nicht sofort jedem Abonnenten zur Verfügung. Wer ein bestimmtes Feature wegen eines einzelnen Videos im Internet kaufen möchte, sollte deshalb vorher direkt in der eigenen Snapchat+-Übersicht prüfen, ob es auf dem eigenen Konto tatsächlich verfügbar ist.
Welche Snapchat+-Modelle es inzwischen gibt
Neben dem klassischen monatlichen oder jährlichen Snapchat+-Abo gibt es inzwischen weitere Varianten. Snapchat nennt aktuell unter anderem einen Family Plan, Snapchat+ Platinum und Lens+. Welche davon angeboten werden, hängt vom Land und teilweise vom jeweiligen Konto ab.
Beim Family Plan können zusätzlich zum Hauptkonto zwei weitere Personen hinzugefügt werden. Der Platinum-Tarif kombiniert die Snapchat+-Funktionen mit Lens+ und bietet laut Snapchat außerdem ein werbefreieres Nutzungserlebnis ohne Story- und Lens-Werbung. Der genaue Preis wird in der App angezeigt und kann sich je nach Land und Gerät unterscheiden.
Das ist ein Detail, das ich bei einem Abo immer prüfen würde: Nicht von einem Preis ausgehen, den man in einem älteren Testbericht gelesen hat. Snapchat weist selbst darauf hin, dass die Preise je nach Land und Gerät variieren können. Entscheidend ist deshalb der Betrag, der beim Abschluss auf dem eigenen Gerät angezeigt wird.
Für wen sich Snapchat+ eher nicht lohnt
Wenn Snapchat für dich nur gelegentlich zum Verschicken einzelner Nachrichten oder Bilder dient, dürfte der Unterschied zwischen der kostenlosen Version und Snapchat+ relativ klein ausfallen. Viele der auffälligsten Extras betreffen Personalisierung, zusätzliche Statistiken oder Funktionen, die man erst dann regelmäßig nutzt, wenn man ohnehin viel Zeit in der App verbringt.
Auch wer ausschließlich wegen eines einzelnen Features ein Abo abschließt, sollte sich die Frage stellen, wie oft dieses Feature tatsächlich zum Einsatz kommt. Ein Effekt, der in den ersten zehn Minuten beeindruckend wirkt, ist als monatlicher Abogrund etwas anderes als eine Funktion, die man jeden Tag verwendet.
Und wann das Abo plötzlich sinnvoll wird
Anders sieht es bei sehr aktiven Snapchat-Nutzern aus. Wer täglich chattet, regelmäßig Stories veröffentlicht, mit Lenses experimentiert und seine Oberfläche gerne individuell gestaltet, bekommt aus mehreren kleinen Verbesserungen ein ziemlich geschlossenes Gesamtpaket. Keine einzelne Funktion muss dabei den Ausschlag geben.
Besonders nachvollziehbar ist Snapchat+ für Menschen, die Snapchat nicht nur als Kamera mit Chatfunktion sehen, sondern als ihren wichtigsten privaten Kommunikationskanal. Dort machen zusätzliche Chat-Gestaltung, bessere Übersicht über Freundschaften, Story-Informationen und neue kreative Werkzeuge zusammen mehr aus als isoliert betrachtet.
Ich würde deshalb weniger fragen, ob Snapchat+ „sein Geld wert“ ist, und eher darauf schauen, welche Funktionen man tatsächlich jede Woche benutzt. Das ist bei diesem Abo die ehrlichere Rechnung. Wenn nach einem Monat hauptsächlich das neue App-Symbol übrig bleibt, war der Nutzen wahrscheinlich begrenzt. Wenn dagegen Chat-Hintergründe, Story-Funktionen, Lenses und zusätzliche Steuerungsmöglichkeiten ganz selbstverständlich in den Alltag übergehen, sieht die Rechnung anders aus.
Snapchat+ ist letztlich ein Abo für Details
Das Interessante an Snapchat+ ist gerade, dass es Snapchat nicht neu erfindet. Die kostenlose App bleibt das eigentliche Produkt. Das Abo setzt darauf auf und verkauft vor allem mehr Spielraum: mehr Personalisierung, mehr Informationen, mehr Experimente und einen früheren Zugang zu neuen Funktionen.
Ob daraus ein guter Kauf wird, hängt deshalb erstaunlich wenig von der langen Feature-Liste ab. Entscheidend ist das eigene Nutzungsverhalten. Wer Snapchat jeden Tag öffnet und sich über die kleinen Grenzen der kostenlosen Version ärgert, wird einige der Extras schnell schätzen. Wer dagegen nur gelegentlich einen Snap verschickt, wird wahrscheinlich feststellen, dass die zusätzlichen Möglichkeiten zwar nett aussehen, aber kaum etwas an der Nutzung ändern.
Und vielleicht ist genau das die interessanteste Seite von Snapchat+: Das Abo verkauft keine völlig neue Erfahrung, sondern die Möglichkeit, eine bereits intensiv genutzte Erfahrung etwas stärker nach den eigenen Vorstellungen zu formen. Bei manchen Nutzern ist das kaum mehr als ein hübsches Extra. Bei anderen merkt man nach ein paar Wochen, dass plötzlich viele kleine Funktionen dazugehören. Erst dann zeigt sich, ob aus „Snapchat+“ tatsächlich ein Plus wird.
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